Im österreichischen Mobilfunkmarkt profitiert zur Zeit vor allem der Kunde. Auf Grund des intensiven Wettbewerbs überbieten sich die drei großen Anbieter Mobilkom Austria, T-Mobile Austria und Orange Austria gegenseitig mit Investitionen in Netze und Hardware. So wollen sie im harten Preiskampf die Gunst der Nutzer erwerben.
Der Konkurrenzdruck sorgt auf dem mit knapp über acht Millionen Einwohnern sehr überschaubaren Markt Österreich für niedrige Tarife und höchste Netzqualität. Für die Mobilfunkunternehmen bedeutet dies zurückgehende Umsätze – trotz leicht steigender Preise.
Mobilkom als erster HSPA+-Anbieter
Marktführer Mobilkom Austria wurde in der Fachzeitschrift ‚connect‘ (Ausgabe 12/2009) als Betreiber des besten Netzes in der gesamten Region Deutschland-Österreich-Schweiz (D/A/CH) ausgezeichnet. Dieses Image soll weiter gepflegt und ausgebaut werden. Natürlich geht das nur über weitere Investitionen in modernste Technik: „Hochqualitative Netze mit hohen Bandbreiten sind die Basis für die Dienste der Zukunft“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Mobilkom Austria AG, Hannes Ametsreiter, die Strategie seines Konzerns.
Im vergangenen Jahr wurden daher viele Basisstationen mit besonders hohem Datenverkehr mit HSPA+ (bis 21 Mbit/s; die nächste Evolutionsstufe der UMTS-Weiterentwicklung HSPA) ausgestattet. Allein 540.000 mobile Breitbandkunden zeugen von Mobilkoms Status als erstem kommerziellem HSPA+-Betreiber Europas. In den nächsten Jahren wird dieses System weiter ausgebaut. Durch ein mobiles ‚Next Generation Network‘ – also dem Ersatz herkömmlicher Netze durch eine Netzinfrastruktur, die per Paketvermittlung den schnelleren Datentransfer ermöglicht – plant Ametsreiter bereits neue Möglichkeiten, Netzdienste zu kommerzialisieren. Darunter könnte allerdings die bisher herrschende Netzneutralität leiden.
T-Mobile „Richtung mobile Lifestyle“
T-Mobile Austria schloss beim Test von ‚connect‘ mit ‚gut‘ ab und wurde dabei vor allem für sein GSM-Netz gewürdigt. Bezüglich des 3G-Netzes besteht noch Nachholbedarf, was sich vor allem auf Datenverbindungen auf Landstraßen und Autobahnen auswirkt. Noch in der ersten Hälfte des Jahres 2010 wird auch T-Mobile Austria HSPA+ in Betrieb nehmen.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung von T-Mobile Austria, Robert Chvatal, fürchtet in naher Zukunft vor allem den weiter intensiven Wettbewerb: „Unser Ziel soll sein, dass wir nicht mehr schrumpfen“. Mit Bonusaktionen will der Telekom-Manager neue Kunden gewinnen. So bekamen 60 Prozent aller österreichischen Neukunden im Jahr 2009 zum Vertragsabschluss ein Smartphone. „Die Kunden gehen ununterbrochen in Richtung mobile Lifestyle“, so Chvatal, der damit auch auf neue Zielgruppen setzt.
Orange möchte internationaler werden
Der dritte große Anbieter im Bunde, Orange Austria, wird ebenfalls sowohl in die 3G-Abdeckung als auch in HSPA+ investieren. In beiden Fällen muss durch die vermehrte Nutzung von Breitbanddiensten durch Smartphone-User die dafür notwendige Infrastruktur ausgebaut werden. Der Netzbetreiber Orange schnitt im ‚connect‘-Test sehr gut ab; es zeigten sich aber Probleme beim Versand großer Dateien. Zuverlässigkeit und Ausbau des Orange-Netzes sind ansonsten vorbildlich.
Orange möchte seine Stellung als internationaler Mobilfunkbetreiber ausbauen und wird daher vor allem mit länderübergreifenden Tarifmodellen versuchen, Kunden anzulocken und an sich zu binden. Das Internet-Portal Heise Online berichtete nach dem Mobile World Congress 2010 (MWC) über diesbezügliche Pläne der österreichischen Mobilfunkanbieter.